PDA

View Full Version : Wieder mal ausgerastet - Führerschein weg



lequebecfume
02-18-2009, 04:26 AM
Wieder mal ausgerastet - Führerschein weg

http://www.borkenerzeitung.de/_em_daten/_wna/teaser/b63e2af6_fd21_11dd_a9e4_25fd8fbbe2f9_teaser.jpg
Intensivtäter, die mehrmals mit Gewaltdelikten auch außerhalb des Straßenverkehrs aufgefallen sind, riskieren, den Führerschein zu verlieren.
(Matthias Ahlke)


Münster - Der 21-Jährige ist stinksauer auf die Stadt Münster. Am Donnerstag muss er seinen Führerschein abgeben. „Dabei bin ich im Straßenverkehr überhaupt nicht übel aufgefallen“, entrüstet sich Daniel B. (Name von der Redaktion geändert). Allerdings ist er den Ordnungshütern mit Cannabis und dem Konsum von Amphetaminen (synthetische Drogen) aufgefallen. Zudem wurde er im letzten Frühjahr wegen mehrfacher Gewaltdelikte zu eineinhalb Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Genau diese Täter mit hohem Gewalt- und Aggressionspotenzial hat das Ordnungsamt in Kooperation mit der münsterischen Polizei jetzt ins Visier genommen (die WN berichteten).

Der Führerscheinentzug für Intensivtäter, wie Ordnungsamtsleiter Martin Schulze-Werner sie nennt, habe nichts mit Sanktionen zu tun, sondern mit Prävention zum Schutze der Allgemeinheit. Denn wer bei Kleinigkeiten ausrastet, „bei dem besteht die Gefahr, dass er auch in Verkehrssituationen, wenn etwa der Hintermann drängelt oder ein anderer die Vorfahrt nimmt, unkontrolliert reagiert“, erklärt Schulze-Werner. „Ein Auto kann schnell zur Waffe werden.“


Bei Daniel B. wurde unter anderem ein Glas zur Waffe, mit dem er einer Frau in einer Diskothek eine Gesichtshälfte aufschlitzte. 2500 Euro Schmerzensgeld stottert er jetzt in 100-Euro-Raten ab. Viel Geld für jemanden, der mit einem Aushilfsjob nur 400 Euro im Monat verdient. „Ich hätte auf eine volle Stelle aufstocken können, doch ohne Führerschein ist das für meinen Chef uninteressant“, beklagt er sich. Und auch die Ausbildungsstellenangebote, die die Agentur für Arbeit dem Realschulabsolventen in Emsdetten und Nordwalde vermittelte, „kann ich ohne Auto vergessen“, murrt der 21-Jährige.

Was ihn zudem auf die Palme gebracht hat, war das geforderte medizinisch-psychologische Gutachten, für das er knapp 800 Euro hinblättern musste. „Dabei haben mir die Gutachter gleich klargemacht, dass ich keine Chance habe, weil ich nicht nachweisen konnte, dass ich in den letzten zwölf Monaten keine Drogen genommen habe“, ärgert er sich.

Das Prozedere hätte ihm aber klar sein müssen, wenn er die zugesandten Papiere gelesen hätte, hält Schulze-Werner dagegen. Drogen im Straßenverkehr - „das geht überhaupt nicht“.

Unter den 367 Intensivtätern, die das Ordnungsamt 2008 registriert hat (2007 waren es unter 200), gebe es eine genaue Einzelfallprüfung, betont Schulze-Werner. Er geht davon aus, dass nur ein Bruchteil von ihnen am Ende den Führerschein abgeben muss.

Eine Praxis, die in anderen Großstädten übrigens gang und gäbe sei, zumal sie durch die Fahrerlaubnisverordnung abgesichert sei, weiß Polizei-sprecher Alfons Probst. Denn solch aggressive Personen seien im Straßenverkehr tickende Zeitbomben. Und angesichts der zunehmenden Gewaltdelikte in Münster nehmen Ordnungsamt und Polizei die bestehende Vorschrift nun beim Wort. Danach kann der Führerschein bei Eignungszweifeln entzogen werden, „insbesondere, wenn Anhaltspunkte für ein hohes Aggressionspotenzial bestehen“.


VON KARIN HÖLLER


http://www.borkenerzeitung.de/lokales/muenster/nachrichten/975628_Wieder_mal_ausgerastet_Fuehrerschein_weg.ht ml